Neue Stellmacherei sichert altes Handwerk

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Die Harpenfelder Dorfschmiede mit Stellmacherei, idyllisch inmitten des Dorfes gelegen, aus der Vogelperspektive betrachtet.

Foto: Friedrich Lüke

Es riecht nach frischem Holz, und unter den neuen Regalen liegen noch einige Sägespäne: „Das ist alles neu“, sagt Maik Jakoblinnert und deutet stolz um sich. Am 6. September wird die neue Stellmacherei bei der Harpenfelder Schmiede eingeweiht.


„Das alles wäre nicht möglich ohne Heinrich Weimann“, betont Jakoblinnert, erster Vorsitzender des Harpenfelder Dorfschmiedevereins.

 

Der 73-jährige Bad Essener hatte im Jahr 2005 dem Verein die alten Maschinen seiner Stellmacherei angeboten, damit sie erhalten bleiben. Die vorhandenen Gebäude boten nicht genug Raum, um die Maschinen, darunter einen riesigen, eisernen Abrichter, aufzustellen. Die Errichtung eines neuen Gebäudes musste geplant werden: „2007 begann die Suche nach Sponsoren“, berichtet Jakoblinnert. Durch den Einsatz vieler Stifter, der Gemeinde Bad Essen, sowie der Europäischen Union konnte die Finanzierung des Gebäudes auf dem Dorfplatz im vergangenen Jahr gesichert werden. Nach einer Bauzeit von nur drei Monaten war die neue alte Stellmacherei fertig.


Der Transport und die Aufstellung der Maschinen der alten Weimann’schen Stellmacherei fand in Eigenleistung des Vereins statt: „Wir haben nur ein Problem. Heinrich Weimann ist der Einzige, der das Handwerk beherrscht“, sagt Jakoblinnert.


So müssen die Männer aus der Schmiede, Friedel Natemeyer, Heinz Nolte und Martin Lohmeyer, auch noch das Rädermachen lernen, meint er scherzend. Denn nichts anderes geschieht in einer Stellmacherei: Hier werden Räder, Wagen und andere landwirtschaftliche Geräte aus Holz hergestellt. Willi Huge vom Dorfschmiedeverein hat sich auch schon eine Vorrichtung ausgedacht, wie man Kindern gefahrlos das Rädermachen an den großen Maschinen vorführen kann.


Die Geschichte des Bauens von Wagenrädern reicht weit in die Vergangenheit zurück. Vor etwa 6000 Jahren hat es die ersten zweirädrigen Wagen gegeben.
Seit dem 13. Jahrhundert ist der Beruf des Stellmachers bekannt: „Neben dem Stellmacher brauchte es noch den Wagner, der die Karosse fertigte. Der Aufwand und das Fachwissen für die Herstellung von Wagenrädern war vergleichbar mit der Herstellung der Karossen“, weiß Jakoblinnert.
Er freut sich, dass der Harpenfelder Dorfschmiedeverein mit der neuen Stellmacherei den Werdegang eines ganzen Produktionsprozesses erlebbar macht: „So ein Rad kam dann an einen Leiterwagen“, deutet der erste Vorsitzende auf das Gefährt in der angrenzenden Remise.


Der klassische Stellmacher fertigt heute Kutschen für den Freizeitsport und hält diese instand.
Der Ausbildungsberuf des Stellmachers und des Wagners ist in dem modernen Berufsbild des Karosseriebauers aufgegangen.
„Wir möchten das Fachwissen des alten Berufs des Stellmachers an jeden Interessierten weitergegeben“, sagt Maik Jakoblinnert. Die beste Gelegenheit bietet das Einweihungsfest am Sonntag, 6. September.


Begonnen wird mit einem öffentlichen Gottesdienst an der Harpenfelder Dorfschmiede um 10 Uhr. Danach gibt es Vorführungen in der neuen alten Stellmacherei und in der Schmiede. Wer möchte, kann mit dem Planwagen fahren, und Kinder können auf einer großen Strohburg spielen.
Beim Historischen Markt an diesem Wochenende werden die Harpenfelder übrigens mit ihrem „Schmiede-Stand“ wieder auf dem Kirchplatz präsent sein.

 

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Ausgabe: Wittlager Kreisblatt
Veröffentlicht am: 18.08.2008